Hoch- und Tiefbauverfugung


Fassadenfugen

Der augenfälligste Teil aller Fugen befindet sich im Hochbaubereich an der Außenfassade der Gebäude. Solche Fugen treten zwangsläufig auf, wenn die Fassade aus Einzelelementen zusammengefügt wird oder in aufeinanderfolgenden Zeitabschnitten Gebäudeteile angebaut werden. Im Fugenbereich sollen die zwischen den Bauelementen oder Bauabschnitten durch Witterungseinflüsse und mechanische Belastungen auftretenden Bewegungen aufgefangen werden. Es handelt sich im Prinzip um eine Ausgleichszone. Andererseits stellen alle Fugen eine Trennung innerhalb der Gebäudekonstruktion dar, also eine zwar vorhandene, aber nicht erwünschte Öffnung, durch die Wetter- und Umwelteinflüsse in das Gebäudeinnere eindringen können. Deshalb ist die Abdichtung sinnvoll und eine Notwendigkeit moderner Baumethoden. Gleichzeitig darf die Ausgleichsfunktion der Fuge nicht beeinträchtigt oder gar unterbunden werden. Der vorgesehene Dichtstoff muss in der Lage sein, außer der dichtenden Funktion auch eine bewegungsausgleichende Aufgabe zu übernehmen. Die heute für diesen Bereich vorgesehenen Dichtstoffe sind alle in der Lage, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Gebäudetrennfugen

Es ist gelegentlich notwendig, aus statischen Gründen ein Objekt in Blöcke zu unterteilen, um zwangsläufig auftretende Bewegungen auf kleinere Abschnitte zu begrenzen. Andererseits ergeben sich konstruktiv bedingt durchgehende Fugen, wenn ein neues Bauteil zu einem späteren Zeitpunkt an ein bereits vorhandenes Objekt angebaut wird. In beiden Fällen zeigen sich im Bereich der Fassade zwar optisch Fassadenfugen, aber diese haben ganz gezielte Aufgaben und Funktionen zu erfüllen. So sollen die unterschiedlichen Bewegungen zwischen den Blöcken im Bereich der Gebäudetrennfugen aufgefangen und ausgeglichen werden, aber diese sind in ihrer Größenordnung nicht berechenbar. Damit entfällt aber die Möglichkeit die Forderungen der DIN 18 540 anzuwenden. Gebäudetrennfugen sind daher ausdrücklich vom Geltungsbereich dieser Norm ausgeschlossen und dürfen wegen der späteren Belastung nicht mit spitzbaren Sichtstoffen abgedichtet werden. Eine fachgerechte und funktionierende Abdichtung von Gebäudetrennfugen erfolgt immer unter Verwendung von Elastomer-Fugenbändern.

Fugen zwischen Naturstein

Natursteine werden heute eingesetzt, wo Optik und hochwertige oder individuelle Ausführung gefragt sind. Man findet sie daher als Fassadenelemente an Gebäuden, aber auch als Boden- und Wandbeläge im Innern von Gebäuden. Auch wenn eine Fuge zwischen Naturstein im ersten Moment keine Besonderheiten aufweist, so zeigen sich die Schwierigkeiten oft nach Monaten, und damit auch die Ärgernisse. Neben eventuellen Haftverlust sind insbesondere und überwiegend Verfärbungen der Steine im Fugenbereich die Reklamationsursache. Allen Natursteinen gemeinsam sind feine Kapillaren, also Kanäle, die den ganzen Stein durchsetzen. Dadurch wirken solche Steine wie ein Lösch- oder Fließpapier: Flüssigkeiten werden aufgesaugt, festgehalten und über größere Strecken im Stein weitertransportiert. Da alle Standard-Dichtstoffe auch flüssige Bestandteile enthalten, können diese im Kontaktbereich der Haftflächen über die Kapillaren in den Stein eindringen und deutlich sichtbare Randverfärbungen verursachen, optisch noch verstärkt durch die eventuell vorhandene Oberflächenpolitur der Steine. Da diese Erscheinung unabhängig von der Rohstoffbasis der Dichtstoffe auftritt, kann sie nur über das Dichtstoffsystem oder die Rezeptur beeinflusst werden. Bei Einsatz normaler Dichtstoffe werden die Haftflächen mit einem vom Hersteller empfohlenen Sperrgrund vorbehandelt, um so die saugende Steinoberfläche abzudichten. Der Nachteil dieser Möglichkeit sind hoher Zeitaufwand und die handwerkliche Schwierigkeit eines optisch sauberen und gleichmäßigen Auftrages. Heute bieten die meisten Hersteller daher Spezialdichtstoffe für Naturstein an, bei denen die Verschmutzung der Randzone nicht auftritt. Ob im speziellen Fall zusätzlich eine Vorbehandlung der Haftflächen mit Primer notwendig ist, hängt von der Steinsorte und dem vorgesehenen Dichtstoff ab.

Bauprofilglas

Eine Sonderform der Fassade, die überwiegend bei Industriegebäuden vorkommt, ist eine Wand aus Glas, die aus profilierten Glasbahnen, U-Profilglas, zusammengesetzt wird. Der Aufbau und die Montage werden von den Glasherstellern angegeben. Die durch die Montage zwischen den Bahnen entstehenden Fugen müssen abgedichtet werden, wozu sich Dichtstoffe sehr gut eignen: sie sind bewegungsausgleichend, gut haftend und einfach zu verarbeiten. Da es sich um Glaswände handelt, benutzt man sauber vernetzende, transparente Silikondichtstoffe.

Anschlussfugen

Eine Sonderform der Fugen in der Fassade sind jene zwischen eingebauten Funktionselementen und dem eigentlichen Baukörper. Auch wenn ihre Aufgabenstellung die gleiche ist wie bei der Fassadenfuge, so sind doch einige technische Unterschiede zu beachten. Der wesentliche Vorteil liegt in der Vielzahl sehr unterschiedlicher Materialien wie z.B. die Fenster und Türen. Neben dem traditionellen Holz kommen heute auch Kunststoff, Aluminium und Edelstahl zum Einsatz. Die durch Witterung, also durch natürliche Wärme- und Feuchteinwirkung auftretende Materialbewegung ist, bedingt durch die unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten zwischen den Baustoffen Holz, Kunststoff und Aluminium, sehr ausgeprägt, was sich in stark voneinander abweichenden Bewegungen im Fugenbereich auswirkt. Bei Anschlussfugen gelten daher die Forderungen der DIN 18 540 nicht. Die Grundlage der Fugenberechnungen und die der Materialanforderungen an Dichtstoffe können aber selbstverständlich unter Berücksichtigung der gestellten Aufgabe und der Materialkenndaten sinngemäß übernommen werden. Eine Mindestfugenbreite von 10 mm muss aber eingehalten werden.

Fensteranschlussfugen

Fenster werden als komplettes Bauelement aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Aluminium oder Kunststoff angefertigt. Sie werden in die vorgesehenen Fassadenöffnungen eingesetzt, wodurch Fugen um das Fenster herum zum Baukörper entstehen. Diese müssen so abgedichtet werden, dass die Bewegung zwischen Fenster und Baukörper ausgeglichen und witterungsbedingte Belastungen wie Winddruck und Windsog, Vibration durch Verkehr u.ä. ausgehalten werden. Zur Berechnung der Fugendimensionierung unter Berücksichtigung der Materialkenndaten des Fenstermaterials kann DIN 18 540 nur sinngemäß angewandt werden. Eine Mindestfugenbreite von 10 mm muss aber eingehalten werden. Auf Anstrichverträglichkeit ist immer dann zu achten, wenn der Dichtstoff im Bereich der Haftfläche mit einer bereits vorhandenen Beschichtung in Berührung kommt oder mit einer späteren Farbgestaltung am Fenster bzw. der Fassadenoberfläche zu rechnen ist. Nach den heutigen Erkenntnissen soll die äußere Fugenabdichtung zwar witterungsbeständig, aber für Wasserdampf weitgehend durchlässig sein. Es soll damit erreicht werden, dass die im Baukörper anfallende Feuchtigkeit verdunstet und nicht in der Fuge zwischen Fenster und Baukörper kondensiert und in flüssiger Form insbesondere die Holzfenster schädigt, sondern ungehindert nach außen ab lüften kann. Die raumseitige Abdichtung hingegen muss zwingend witterungsbeständig und kann wesentlich dampfdichter sein, um so das direkte Eindringen von Wasserdampf aus dem Wohnraum in die Anschlussfuge zu verhindern. Daraus ergibt sich der Grundsatz: Innen dichter als Außen.

Hochbaufugen (elastische Fugen)

Fugeninstandsetzung mit PU (Polyurethan) Bei der Fugeninstandsetzung mit PU werden zunächst die alten Fugen ausgeschnitten und die frei gelegten Flanken gründlich gereinigt. Anschließend wird zur optimalen Haftung Primer auf die Fugenflanken aufgetragen. Zu dem Zweck der Bildung eines dehnungsfähigen Querschnitts, wird vor der Verfüllung der Fuge mit PU, eine geschlossenporige Rundschnur hinterlegt. Das sorgfältige Glätten der Fugen rundet das Verfahren ab.

Elastische Fugenbänder (PU/Silikon)

Elastische Fugenbänder stellen eine weitere Abdichtung von Fugen an Ingenieurbauten und Betonschalenbauten dar. Auch hier werden die Fugen und alte Klebeflächen zunächst sorgfältig gesäubert, bevor der entsprechende Primer aufgetragen wird. Daraufhin wird das Fugenband verklebt und der überschüssige Kleber anschließend geglättet.

Kompriband

Das Kompriband ist ein schlagregendichtes, diffusionsoffenes Schaumstoff- Dichtungsband mit dem Betonplattenstöße und Fenster abgedichtet werden. Das Kompriband ist vor dem Einlegen in die Fuge vorkomprimiert und quillt nach dem Einlegen über die Fugenbreite auf und verschließt dadurch die Fuge. Kompribänder und andere konstruktiv vorgesehene Fugenabdichtungen unterliegen der Alterung. Sie werden daher porös und infolgedessen nach gewisser Zeit undicht.

Tiefbaufugen

Auch bei Bauvorhaben, die unter der Erdoberfläche liegen kommen Fugen und damit Abdichtungsprobleme vor. Aufgrund ihrer Lage und der Belastung müssen aber einige zusätzliche Fakten beachtet werden. So muss aufgrund der Erdfeuchtigkeit durch das Grundwasser mit einer fortwährenden Naßbelastung gerechnet werden. Im Erdreich läuft, wenn auch nur im Mikrobereich, ein immerwährender Lebensrhythmus ab. Die eingesetzten Materialien werden von Mikroorganismen angegriffen und müssen dagegen resistent sein. Selbst Pflanzen bilden mit ihren Wurzeln eine Gefahr, wenn der Dichtstoff durchwachsen wird.

Gebäudekeller

Ein Hochbau ist üblicherweise unterkellert, wodurch sich an einigen Stellen der Kellerwandung auch Fugen ergeben. Dies sind die Öffnungen für Kellerfenster, die meisten in einem Schacht unter der Erdoberfläche angeordnet sind. Außerdem müssen Energieleitungen als Rohre oder Kabeln durch die Kellerwand in das Hausinnere geführt werden. Als Dichtstoff kommen nur solche Qualitäten in Frage, die eine ausreichende Haftung zur Kellerwandung auch unter Dauernaßbelastung haben und die vom Hersteller für diesen Zweck zugelassen sind.

Rohrdurchführungen

Bei der Montage von Energiezuführungen in das Gebäudeinnere ergeben sich zwangsläufig Rohrdurchbrüche durch die Außenwände, überwiegend im Kellerbereich. Diese Durchbrüche müssen bewegungsausgleichend abgedichtet werden, da Regen und Grundwasser vom Gebäude abgehalten werden sollen. Dazu gibt es Lösungen, bei denen Dichtstoffe eingesetzt werden: Durch die Bohrung in der Wand wird ein Kunststoffrohr geführt, dessen Flanschteile aufgeschraubt werden. Dabei wird mit einem eingelegten Butylmaterial eine optimale Dichtung zum Baukörper erreicht. Die Fugen um die Rohre werden in der Tiefe mit Steinwolle oder Polyurethan-Schaum ausgefüllt, der obere Teil der Fuge muss anschließend mit einem elastischen Dichtstoff ausgespritzt werden.